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Stand: 07.06.2016

Pressemitteilung

Viele Fragen auf dem Weg zu mehr Selbstbestimmung

Informiert sich über neue Kommunikationstechniken: Sabine Bätzing-Lichtenthaler macht einen Rundgang im Haus St. Elisabeth.Informiert sich über neue Kommunikationstechniken: Sabine Bätzing-Lichtenthaler macht einen Rundgang im Haus St. Elisabeth.Friederike Jung / Caritasverband Speyer

Im Dezember 2016 erlassen, tritt das Bundesteilhabegesetz (BTHG) 2020 vollständig in Kraft. Sein Ziel ist es, die Selbstbestimmung und Teilhabe beeinträchtigter Menschen zu stärken. Da es große Auswirkungen auf die Arbeit in den Einrichtungen haben wird, bedarf es einer intensiven Vorbereitung und der Klärung zahlreicher Fragen. Um sich über den Stand der Dinge zu informieren, besucht die rheinland-pfälzische Sozialministerin Sabine Bätzing-Lichtenthäler verschiedene Einrichtungen. Am 8. November war sie zu Gast in der Caritas-Wohnstätte St. Elisabeth in Landstuhl, die zum Caritas-Förderzentrum Paul Josef Nardini in Zweibrücken gehört.

Der Duft von frisch gebackenen Waffeln zog durchs Haus. Ein Willkommensgruß, den Bewohner und Bewohnerinnen eigens für den hohen Besuch aus Mainz serviert hatten. Caritasdirektor Vinzenz du Bellier begrüßte die Ministerin und dankte ihr für die Gelegenheit zum Austausch. An der Runde nahmen zudem auch Einrichtungsleiter Winfried Hoffmann, Projektleiterin Hildegard Jung sowie Mitarbeiter- und Bewohnervertreter der Wohnstätte teil.

"Ich bin hier, um mir einen Eindruck zu verschaffen, mit Ihnen ins Gespräch zu kommen und zu hören, was Ihnen unter den Nägeln brennt," sagte Sabine Bätzing-Lichtenthäler. "Aber ich möchte mit meinem Besuch auch die Wertschätzung für Ihre Arbeit ausdrücken", betonte die Landesministerin.

Einblicke in das Caritas-Förderzentrum Paul Josef Nardini mit seiner Bandbreite an Unterstützungsangeboten gab Einrichtungsleiter Winfried Hoffman mittels einer Präsentation. Dabei stand die Botschaft im Vordergrund: "Das Ziel des Bundesteilhabegesetztes, beeinträchtigte Menschen in den Mittelpunkt der Gesellschaft zu bringen, ist auch unser Ziel." Nicht nur in der Wohnstätte St. Elisabeth, die Teil des Caritas-Förderzentrums Paul Josef Nardini ist. "Wir haben an vier Standorten Wohnstätten für Personen mit hohem Unterstützungsbedarf und stellen die Menschen auch schon bisher in den Mittelpunkt", erläuterte Hoffmann  Dazu diene ein breites Spektrum an Angeboten. Darüber hinaus seien in Landstuhl drei ambulante Wohngemeinschaften in Vorbereitung, wies Hoffmann auf eine von mehreren geplanten Neuerungen hin. Diese sind allesamt darauf ausgerichtet, beeinträchtigten Menschen mehr Selbständigkeit und Teilhabe zu ermöglichen.

Die Bewohner und die Ministerin stellen sich zum Gruppenbild aufGruppenbild mit Ministerin: Bewohner aus dem Haus St. Elisabeth und Sabine Bätzing-Lichtenthaler. Friederike Jung / Caritasverband Speyer

"Aber je mehr wir individualisieren, desto stärker müssen wir unsere Strukturen anpassen. Denn alles ist personenzentriert", gibt der Einrichtungsleiter auch zu bedenken.  Das ist ein wichtiger Aspekt auch im Hinblick auf das Bundesteilhabegesetz, auf individuell zugeschnittene, personenzentrierte Leistungen setzt. Außerdem verlangt das neue Gesetz einen Haltungswechsel. Um Menschen mit Behinderung mehr Autonomie zuzusprechen, soll nicht mehr für sie entschieden werden, vielmehr gehe es darum, sie in der eigenen Entscheidung zu unterstützen. Damit wird das Konzept der Fürsorge vom dem der Assistenz abgelöst.

Damit sie für die zahlreichen Neuerungen gewappnet sind, werden die Mitarbeitenden der Einrichtungen in Fortbildungen geschult. Trotzdem bleiben viele Fragen offen. "Die Situation ist schwierig. Wir bereiten uns seit zwei Jahren auf das BTHG vor. Aber noch liegt das Ausführungsgesetz nicht vor und damit auch nicht die Beschreibung der Rahmenbedingungen, die auf uns zukommen", sprach Caritasdirektor Vinzenz du Bellier einen offenen Punkt an.

Das Ausführungsgesetz laufe noch, sagte die Sozialministerin und bedauerte, dass in der Diskussion um das BTHG inhaltliche Themen zuletzt in den Hintergrund getreten seien. "Alle reden nur noch übers Geld."  Ein Thema, das auch an diesem Tag nicht unter den Tisch fiel. "Da das Gesetz den Fokus auf Kostensenkungen legt, haben wir die Sorge, dass das eine Absenkung der Qualität zur Folge hat, gerade im Bereich hohen Unterstützungsbedarfs", führte Winfried Hoffmann an. 

Ein wichtiges Anliegen sei es ihm auch, weiterhin Arbeit für schwer beeinträchtigte Menschen zu ermöglichen. "Denn Arbeit ist ein Wert an sich."  Dem pflichtete Bätzing-Lichtenthäler bei, mit dem Versprechen, Arbeit als Teilhabe stark in den Blick zu nehmen, unabhängig vom Alter.

"Bei der Umsetzung des BTHG müssen wir die Mitarbeitenden mitnehmen bis an die grenzwertigsten Arbeitszeiten. Auch wenn ihre Bereitschaft hoch ist, werden wir personell aufstocken müssen und das, wo es so gut wie keine Fachkräfte auf dem Markt gibt", gab Caritasdirektor du Bellier zu bedenken. Ein weiteres Problem sei der Mangel an bezahlbarem Wohnraum, ebenfalls eine Hürde auf dem Weg, beeinträchtigten Menschen zu mehr Autonomie zu verhelfen. Auch Projektleiterin Hildegard Jung hatte einen Wunsch. "Ich hoffe, dass wir die entsprechenden Bedingungen bekommen, den intensivpädagogischen Bereich weiterzuentwickeln." 

Die Ministerin nahm an diesem Tag viele Anregungen, Anliegen und Anmerkungen mit nach Mainz - und vor allem wertvolle Einblicke in die Praxis.  

Text und Bilder: Friederike Jung für den Caritasverband für die Diözese Speyer

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